Kind ist aggressiv

Warum dein Kind manchmal aggressiv ist und was du als Mama dagegen tun kannst

Vielleicht kennst du solche Momente bei deinem eigenen Kind: Es scheint voller Wut zu sein, schlägt zu, beisst, kneift, zieht an den Haaren und scheint einfach nur aggressiv zu sein.
Oder dein Kind ist immer der Bösewicht bei anderen Kindern. Und dann fragst du dich: Warum ausgerechnet mein Kind?

Solche Wutanfälle sind bei Kindern durchaus normal und je nach Alter haben diese auch unterschiedliche Ursachen. Bei Babies und Kleinkindern bis zum zweiten Lebensjahr ist es häufig einfach nur ein Ausprobieren des eigenen Körpers und Kraft. Sie mögen ausserdem die Reaktion auf solche kleinen Übergriffe. Dass sie dabei jemandem Schmerz zufügen, können Kinder in diesem Alter kognitiv einfach noch nicht begreifen. In dieser Phase hilft es auf das Beissen, Kratzen oder Hauen so neutral wie möglich zu reagieren. Eine intensive Reaktion fördert das Interesse der Kleinen meist eher.

Selbstverständlich schauen sich Kinder unabhängig vom Alter solch ein Verhalten auch gerne wo anders ab. Wir als Eltern können natürlich beobachten, wie aggressiv wir selbst in unserer Kommunikation sind. Selbst wenn wir nicht handgreiflich werden, kann sich Wut, die wir beispielsweise im gegenseitigen Anschreien raus lassen, schon als Vorlage für den Umgang für unsere Kinder mit anderen Menschen dienen.

 

Die Trotzphase

Mit Beginn des dritten Lebensjahres, also wenn das Kind etwa zwei Jahre alt ist, beginnt ein neuer Entwicklungsprozess bei Kindern. In der sogenannten „Trotzphase“ oder auch „Autonomiephase“ beginnen Kinder ihre eigene Macht zu entdecken. Dabei muss Macht hier nicht negativ gesehen werden. Sie merken einfach, dass sie durch ihr Handeln etwas bewirken können. Dadurch bauen sie ihr Selbstbewusstsein auf. Je selbstbestimmter sie sich dabei selbst erleben, umso selbstbewusster wird das Kind dabei.

Auf energetischer Ebene entwickelt sich genau in diesem Alter auch das Solarplexuschakra. Es ist das Chakra, welches die Muster für unser Handeln, unser Selbstwertgefühl und unseren inneren Antrieb in sich trägt. Das Selbstbewusstsein, das sich das Kind in diesem Alter durch Erlebnisse und Erfahrungen also aufbaut, bildet die Grundlage für den Rest seines Lebens! Das ist ein Punkt, der uns bewusst sein sollte.

Das Selbstbewusstsein baut sich auf durch Erfolgserlebnisse. Es bedeutet, sich selbst bewusst zu sein. Seiner selbst bewusst wird man, wenn man genau so akzeptiert und geliebt wird, wie man ist. Wird einem Kind ständig gesagt, es mache etwas falsch und soll sich anders benehmen, fängt es an, an seiner wahren Natur zu zweifeln. Wenn das Kind zusätzlich noch für sein Fehlverhalten (mit Liebesentzug) bestraft wird, fängt es an zu glauben, es müsse sich anders verhalten, um in dieser Welt geliebt zu werden. Glaubenssätze wie „Ich bin falsch“ und „Ich bin nicht gut genug“ verankern sich dann und können unsere Kinder dann ein Leben lang begleiten.
So kommt es dazu, dass wir uns als Erwachsene ständig anpassen und nie so wirklich wir selbst sind. Wir sind uns unserem wahren Selbst nicht mehr bewusst. Fragen wie „Wer bin ich wirklich?“ können dann kaum noch beantwortet werden.

 

Tiefsitzende Emotionen

Wenn ein Kind sehr autoritär erzogen wird und ständig jemand das Sagen über das Kind hat, so fühlt sich das Kind schwach und klein. Es beginnt zu denken, dass es selbst keinen (großen) Wert in dieser Welt hat. Das Bedürfnis nach Macht und Selbstbestimmung verschwindet dadurch natürlich nicht.

Aus Angst vor Liebesentzug oder Strafe, passt sich das Kind den Wünschen der Eltern vielleicht an, jedoch staut sich beim Kind ein Gefühl von Wut, Frust oder Hilflosigkeit auf.
Und diese angestauten Gefühle führen dann eben zu solchen aggressiven Ausbrüchen! Das Kind entlädt dann mit Körpereinsatz seinen Frust.

Bei anderen Kindern fühlt sich das frustrierte Kind dann weniger klein und schwach und will endlich auch mal das Sagen haben! Wenn es das durch Worte nicht erreicht, setzt es eben Gewalt ein. Sein Selbstbewusstsein wird in diesem Moment befriedigt und es fühlt sich endlich mal mächtig. Das passiert natürlich auf völlig unbewusster Ebene und ein Kind ist in diesem Alter nicht fähig, dieses Verhalten so zu reflektieren oder wieder zu geben. Wenn wir unser Kind dann also fragen: „Warum hast du denn das andere kind gehauen?“ Dann ist unser Kind überfordert. Es hat nicht darüber nachgedacht und fühlt sich nun wieder schlechter. Wir sagen unserem Kind, dass es auch da wieder falsch handelt. Das mag natürlich in dem Moment stimmen, aber es festigt bei dem Kind wieder den Glaubenssatz „Ich bin falsch / Etwas stimmt nicht mit mir.“

 

Unsere Kinder spiegeln unsere eigenen Emotionen wieder

Ein weiterer Anhaltspunkt ist, dass unsere Kinder sich an unser Energiesystem anknüpfen und unsere eigenen Glaubenssätze von der Welt übernehmen.
Sehr häufig tragen wir selbst noch Gefühle wie Wut, Frust, Enttäuschung und Hilflosigkeit in uns herum, da auch wir meistens noch sehr autoritär erzogen wurden. Auch wenn wir sehr gut darin sind, diese zu unterdrücken, schlummern diese Gefühle noch tief in unserem Unterbewusstsein. Energetisch betrachtet sind dies Erfahrungen, die wie Bilder an unseren Chakren und in unserem Energiekörper haften und den individuellen Filter bilden, durch den wir das Leben wahrnehmen.

Außerdem neigen wir selbst dazu unsere Kinder sehr streng und autoritär zu erziehen, wenn wir selbst so erzogen wurden. Wir übernehmen den Erziehungsstil aus unserer Kindheit meist automatisch, weil uns das eben so beigebracht wurde. Selbst wenn wir bewusst beschließen, es bei unseren anderen Kindern anders zu machen, kommen wir nur schwer aus diesen Mustern heraus. Es erfordert sehr viel Achtsamkeit, Bewusstsein und Selbstreflektion, um nicht in diesen fest eingefahrenen Erziehungsstil zu verfallen. Häufig triggern unsere Kinder mit ihrem Verhalten genau diese Verletzungen und Enttäuschungen aus unserer eigenen Kindheit.

Wir neigen dann zu glauben, dass wir unser ganzes Leben lang nach den Vorstellungen und Wünschen der anderen (unserer Eltern, Lehrer und anderen Autoritätspersonen) leben mussten und nun bei unseren Kindern endlich das Sagen haben können. Doch genau dadurch entstehen mehr Schwierigkeiten als Lösungen.

Was können wir als Eltern als tun?

Es ist essentiell, dass wir uns mental auf die Augenhöhe unserer Kinder begeben. Uns muss bewusst werden, dass unsere Kinder auch ihre eigenen Wünsche haben und das Bedürfnis haben, über sich selbst und ihr eigenen Leben zu entscheiden. Natürlich können Kinder nicht immer die vernünftigsten Entscheidungen treffen und es sicher schwer den Normen unserer Gesellschaft zu folgen, wenn wir unser Kind alles selbst entscheiden lassen. Aber unsere innere Einstellung hat einen enormen Einfluss auf die Beziehung zu unseren Kindern.

Wir dürfen erstens mehr der sehr starken Intuition unserer Kinder vertrauen. Unsere Kinder wissen intuitiv wie viel Hunger sie haben, wieviel Schlaf sie benötigen, welchen Personen sie vertrauen können und was gerade die beste Erfahrung für sie ist, um zu lernen und zu wachsen.
In unserer Gesellschaft ist der tiefe Glaube verankert, dass wir unseren Kindern einfach alles durch unser Handeln beibringen müssen. Dass sie, wenn wir es nicht regulieren, zum Beispiel nicht wissen, wieviel Essen sie tatsächlich brauchen. Ein gesundes Kind weiß das allerdings sehr wohl. Genauso kann ein Kind beispielsweise am besten selbst entscheiden, ob ihm gerade warm oder kalt ist.

Zweitens muss uns mal bewusst werden, wie sehr sich Kinder an unser Leben anpassen müssen und wieviel sie dabei zurück stecken.
Wir treffen zum größten Teil alle Entscheidungen für sie: Wir entscheiden, ob und wann und wie lange sie in den Kindergarten / Schule gehen. Kaum jemand fragt sie, ob sie das überhaupt möchten. Fühlen sie sich dort unwohl, unternehmen auch die wenigsten Eltern etwas dagegen.
Wir entscheiden wie sich sich kleiden sollen, wann sie laut und wann sie leise sein dürft, wie sich sich beim Essen zu benehmen haben, wie wir den Nachmittag gestalten und wie sie sich anderen Menschen gegenüber verhalten sollen.

Es ist natürlich auch für Kinder wichtig, dass wir ihnen eine Richtung im Leben vorgeben und viele Kinder benötigen einen strukturierten Tagesablauf, um sich sicher zu fühlen. Jedoch dürfen wir eben nicht aus den Augen verlieren, dass auch sie selbst das angeborene Bedürfnis haben, über ihr Leben selbst entscheiden zu dürfen!

 

Ein Gleichgewicht finden

Wenn wir uns also verinnerlicht haben, dass unser Kind im Grunde die gleichen Bedürfnisse hat selbstbestimmt zu leben wie wir und unsere Kinder auch die gleichen Rechte darauf haben wie wir, müssen wir es nur noch schaffen, dieses Gleichgewicht in unserem Alltag herzustellen.
Klingt easy, oder? 🙂

Nein, das ist es natürlich nicht. Es ist eine Herausforderung. Aber desto mehr Entscheidungsrecht wir unserem Kind zusprechen, umso mehr wird sein Bedürfnis nach Selbstbestimmung gestillt und umso weniger Frust und Wut staut sich in dem Kind an. So wird es auch nicht Ventile suchen müssen, um sich machtvoll zu fühlen und seine Wut abzubauen.

Dabei sollten wir unserem Kind möglichst viel Freiheit einräumen seinen Tag selbst mitzugestalten und seine Persönlichkeit so akzeptieren, wie sie ist. Wenn unser Kind gerne laut und wild ist, sollten wir Räume suchen, wo unser Kind diese Persönlichkeit ausleben kann, anstatt es zu unterdrücken. Wenn unser Kind gerade keine Lust hat jemanden zu Grüßen, sollten wir es nicht dazu zwingen.

Der erste und wichtigste Punkt ist es, diese Gegebenheiten erst ein mal zu reflektieren:
Wie selbstbestimmt kann mein Kind leben?
Wie selbstbewusst bin ich als Mama / Papa?
Welche unterdrückten Gefühle trage ich vielleicht mit mir herum?
Wie wurde ich in dem Alter, in dem mein Kind gerade ist erzogen? Und wie habe ich mich dabei gefühlt?
Wie streng und autoritär erziehe ich? Und wie setze ich mich dabei durch? Werde ich selbst vielleicht auch laut? Oder setze ich vielleicht sogar meine körperliche Überlegenheit ein?

Es ist nicht leicht, diese Muster in uns aufzulösen, die wir unser Leben lang in uns aufgebaut haben. Deswegen darfst du als Mutter oder Vater sehr mitfühlend und geduldig mit dir selbst bei diesem Prozess sein.
Auch wird dein Kind seine Verhaltensmuster nicht von heute auf morgen auflösen.
Aber hier lautet das Motto: Der Weg ist das Ziel! Und auf diesem Weg sollten wir möglichst ehrlich zu uns selbst und auch zu unseren Kindern sein. Wir dürfen wieder wir selbst sein. Und der Weg wird uns mit unseren Kindern zusammenschweissen, wenn wir ihn gemeinsam mit ihnen gehen.

 

Danke, dass du diesen Artikel gelesen hast und Bewusstsein in dein Familienleben bringen möchtest.
Mit viel Liebe geschrieben,
Ksenija.

  


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2 Comments

  1. Vielen Dank für deine Tipps! Du hast mir echt mal ein wenig die AUgen geöffnet. Tut weh, ist aber wahr!

  2. Großartiger Beitrag, hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Eigentlich klar, dass sich die Kleinen selbst behaupten wollen. Ist halt nicht einfach das im Alltag umzusetzen. Aber ich werde es probieren. Mein Kleiner bekommt nämlich regelmäßig solche Wutattaken!

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