Vater spielt mit Kind

Qualitative Zeit – Was brauchen unsere Kinder wirklich von uns?

In der modernen Welt der westlichen Gesellschaft ist die Karriere in den Mittelpunkt unseres Lebens gerückt. Unsere Arbeit sichert unseren Wohlstand und bildet häufig unsere Identität. Nicht selten kommt bei uns Eltern ein schlechtes Gewissen auf, weil unsere Kinder schon sehr früh viele Stunden fremdbetreut werden. Bei uns Eltern entstehen dabei oft Schuldgefühle, weil wir denken, wir verbringen nicht genug Zeit mit unseren Kindern.

Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist die Quantität allerdings bei weitem nicht so wichtig wie die Qualität. Das heisst: Für die Entwicklung unserer Kinder ist nicht der Wichtigste Aspekt wieviele Stunden am Tag wir Eltern Zeit mit unseren Kindern verbringen, sondern WIE wir gemeinsam diese Zeit verbringen!

Hier sind die fünf wichtigsten Aspekte, die wir als Eltern beachten sollten, wenn wir wertvolle Zeit mit unseren Kindern verbringen:

1. Entspannte Eltern

Entspannung am Morgen

Unsere innere Anspannung bzw. Entspannung ist die Basis für eine qualitative Zeit mit unseren Kindern! Wenn wir morgens den Tag mir unseren Kindern starten, sind wir häufig unter Zeitdruck. Unsere Kinder sind von Natur aus meistens nicht so in Eile. Für sie darf der Tag meistens recht ruhig und entspannt starten und gleich am Morgen gibt es viel zu Entdecken. Uns kann es nicht schnell genug gehen und unsere Kinder scheinen sich plötzlich nur noch in Zeitlupe zu bewegen. Hier ist Stress vorprogrammiert!

Wir sollten als Eltern also unbedingt darauf achten genug Zeit am Morgen einzuplanen, um nicht zu sehr in Zeitdruck zu gelangen und unseren Kindern und uns selbst einen entspannten Start in den Tag zu erlauben. Ich empfehle zusätzlich allen Eltern eine kinderfreie Morgenroutine einzuführen. In dieser können wir den Tag in unserer eigenen Energie starten, uns Zeit für uns selbst nehmen, unsere Intention für den Tag setzen und unseren Me-Time Bedarf gleich mit abdecken! Tipps für eine achtsame und wohltuende Morgenroutine für Eltern findest du in meiner Podcastfolge Nummer 16.
Mit älteren Kindern können wir Morgenroutinen vielleicht sogar schon gemeinsam durchführen und so auch mehr Achtsamkeit in den Tag unserer Kinder bringen, wenn sie das möchten.

Entspannung am Abend

Wenn wir dann unsere Kinder am Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag treffen, wurde unser Energiehaushalt meist schon ausgeschöpft und unseren inneren Wunden wurden vielleicht schon mehrmals im Laufe des Tages getriggert.  Unsere Kinder sind vielleicht auch angespannt von einem anstrengenden Tag oder eben noch energiegeladen. Beides eine Herausforderung für uns Eltern, wenn wir bereits müde sind.
Deswegen ist es hilfreich, sich kurz zu entspannen, bevor wir auf unsere Kinder treffen!
Wie du dich am besten schnell und effektiv entspannen und wieder Energie aufladen kannst, findest du hier.

Unsere Kinder spiegeln uns immer unseren inneren Zustand wieder, auch wenn wir vielleicht schon sehr gut darin sind, diesen nach außen hin zu verbergen oder zu überspielen. Tragen wir innerlich Ballast, Sorgen und Anspannungen in uns herum, überträgt sich diese Energie sehr schnell auf unsere Kinder. Außerdem sind wir natürlich viel leichter zu triggern und die angestaute Energie in uns entlädt sich schnell.

Eine innere entspannte Haltung hilft uns dabei den Kontrolldrang über unsere Kinder und unsere Vorstellungen von einem perfekten Familienalltag loszulassen. Wir nehmen unsere Kinder leichter so an wie sie sind und verzeihen leichter Fehler. Im entspannten Zustand können wir die Zeit mit unseren Kindern viel achtsamer genießen und dankbar für diese wundervolle Beziehung sein.
Nicht zu letzt übertragen wir die Entspannung auf unsere Kinder, was sich positiv aus die Entwicklung ihres vegetativen Nervensystems auswirkt: Unsere Kinder sind allgemein entspannter!

Wir können uns vorab einige Gedanken machen, was wir gemeinsam mit unseren Kindern spielen, malen oder machen können, was eine entspannte Atmosphäre schafft und unseren Kindern und uns selbst gleichermaßen Spaß macht. Das könnte ein gemeinsames Puzzle sein, ein gemeinsames Bild malen oder zusammen ausmalen, gemeinsam Mandalas bauen oder andere Dinge, die uns entspannen und unser Gehirn sogar in meditative Zustände bringen.

Wichtig: Nicht zu sehr an unser Vorhaben klammern! Wenn unser Kind gerade Lust auf andere Dinge hat, sollte uns das nicht frustrieren. Wenn die Kinder abends noch Energiegeladen sind, tut ein gemeinsamer Spaziergang an der frischen unseren Luft unseren Kindern und uns selbst gut!

Sollten wir durch unseren Tag wirklich sehr angespannt und leicht reizbar sein, sollten wir unsere Gefühle und auch unsere Bedürfnisse ehrlich an unser Kind kommunizieren.

 

2. Eine Ja-Umgebung – Freiraum für das Kind sich zu entfalten

Kinder haben einen unheimlichen Entdeckungsdrang und folgen stets einfach ihrer Intuition und ihren Impulsen, wenn wir ihnen Raum dafür geben. Kinder entwickeln sich durch ihre Neugier und ihre Lebenslust ganz ohne unsere Hilfe genau richtig. Sie lernen immer genau das, wofür ihre Seele bereit ist, als nächstes zu lernen! Die beste mentale, emotionale, physische und auch spirituelle Entwicklung durchlaufen Kinder am allerbesten, wenn sie in einer friedvollen, natürlichen Umgebung mit möglichst wenigen künstlichen Grenzen sind.
Oftmals hören Kinder am laufenden Band ein Nein! Nein, tu das nicht! Fass das nicht an! Nein, das darfst du nicht essen. So kannst du doch nicht reden! Benimm dich so, wie ich es sage. Du musst erst das tun, dann darfst du…

Jedes Nein ist eine Limitierung für eine Erfahrung, die das Kind machen möchte. Das gilt auch für schmerzvolle Erfahrungen, die unser Kind machen möchte. Es gibt selbstverständlich natürliche Grenzen, wie zum Beispiel echte Gefahren oder auch die natürlichen Grenzen anderer Menschen, die geachtet werden sollten. Natürliche Grenzen sind für Kinder und ihre Entwicklung absolut wichtig, denn nur so lernen unsere Kinder auch ihre eigenen Grenzen zu setzen und diese zu wahren. Mehr zum Thema Grenzen und Regeln findest du hier.

Jedoch entstehen viele Gefahren nur in unserem Kopf! Wir haben Angst unser Kind könnte unerzogen sein, ungesund werden, in Gefahr kommen , die gleichen Fehler machen, die wir selbst gemacht haben und so weiter. Vor einem Impuls von uns als Eltern, dass zu einem Nein führen würde, sollten wir uns also kurz fragen: Warum nicht? Welche innere Angst von mir steckt dahinter? Ist das Nein jetzt wirklich unbedingt notwendig? Wieviele Neins habe ich heute schon ausgesprochen? Ist das eine Erfahrung, die ich meinem Kind wirklich verwehren muss?

Eine Ja-Umgebung ist also nicht nur förderlich für die Entwicklung unserer Kinder auf allen Ebenen, sie fördert auch ihre Selbstbestimmung und hilft uns Eltern unsere eigenen Ängste zu erkennen und vielleicht sogar loszulassen.

3. Eine Bewertungsfreie Zeit in der das Kind so angenommen wird, wie es ist.

Damit sich ein Kind bedingungslos geliebt fühlt und ein positives Selbstbild entwickelt, sollten wir davon ablassen unser Kind auf irgendeine Art und Weise zu bewerten. Wir neigen dazu alle Situationen, Menschen und ihr Verhalten zu bewerten. Dies übertragen wir auch automatisch auf unsere Kinder.

Wir dürfen dabei als Eltern anerkennen, wieviel Macht und Einfluss wir Eltern diesbezüglich auf unsere Kinder haben! Selbst wenn unser Kind mehr Zeit in der Schule oder in der Fremdbetreuung verbringt, haben wir Eltern den größten Einfluss auf das Wertesystem, ihr Selbstbild, ihren inneren Kritiker und das allgemeine Weltbild unserer Kinder! Diese Glaubenssätze bauen sich vorwiegend in den ersten sieben Lebensjahren auf und wir am allermeisten durch das Bewerten von uns Eltern geprägt.

Wird ein Kind bedingungslos geliebt, wird es auch bedingungslose Liebe geben können und selbst erfahren. Es lernt die Dinge und Situationen des Lebens einfach anzunehmen, ohne sie ständig bewerten und ein eine Schublade einsortieren zu müssen.

Mehr zu diesem Thema findest du hier.

 

4. Volle Aufmerksamkeit – Handy weg! (Auch gedanklich)

Wenn wir das Gefühl haben, dass wir nicht allzu viel Zeit mit unseren Kindern verbringen, dann sollte die Zeit, die wir mit ihnen verbringen, auch zu 100% ihnen gewidmet sein. Das bedeutet Handy beiseite legen, keine weiteren To Do’s nebenbei erledigen und gedanklich vollkommen im Hier und Jetzt zu sein! Nichts verbindet uns mehr mit unseren Kindern und schafft vertrauen, als Aufmerksamkeit.
Sind wir gedanklich anwesend, so sind wir auch viel achtsamer und können unsere inneren Ängste und Trigger auch viel besser beobachten. Wir hören unseren Kindern zu, ohne an andere Dinge zu denken und lernen unsere Kinder so noch viel besser kennen. Wir lassen uns auf sie ein und unsere Kinder spüren das! Sie nehmen absolut wahr, ob wir nur körperlich anwesend sind und nur abwarten, bis wir unsere Kinder ins Bett bringen oder ob wir auch geistig vollkommen anwesend sind und die Zeit mit unseren Kindern genießen. Das gibt unseren Kindern die Wertschätzung und Liebe, die sie verdienen.

Unsere Kinder wollen gesehen werden, sie wollen wahrgenommen werden! Mach also deine Kinderzeit zu einer Ablenkungsfreien Zeit. Du wirst sehen, auch du wirst die Zeit mit deinen Kindern automatisch viel mehr geniessen und dich darauf freuen! Die Zeit mit unseren Kindern, kann die wertvollste Zeit sein, in der wir selbst abschalten und entspannen.

5. Achtsamkeit

Unsere Kinder sind unsere wertvollsten Guru’s! Niemand auf der Welt kann uns so sehr zur Heilung, zu innerem Frieden und zu einem glücklicheren Leben verhelfen, als unsere Kinder. Kein Priester, kein Mönch, kein Buddha oder Yoga Retreat wird so viel in uns verändern, wie unser Kind. Allerdings natürlich nur, wenn wir dafür bereit sind.

Unsere Kinder zeigen uns unsere tiefsten Wunden auf, sie drücken genau die richtigen Knöpfe. Das Universum und unser höheres Selbst nutzt diese Chancen und liefert uns immer genau die Situationen, die in unserer seelischen Entwicklung als nächstes dran sind. Und diese werden uns dann immer und immer wieder geliefert, bis wir hinsehen und reagieren.
Wenn wir nicht hinsehen, so werden wir bei jedem wunden Punkt in uns, das unser Kind triggert, immer wieder emotional werden und im schlimmsten Fall unserem Kind die Schuld für unsere emotionalen Ausbrüche zuschreiben.

Es ist eine der wertvollsten Aufgaben von Eltern, sich in ihrer Achtsamkeit zu üben.
Sollten wir uns also von unseren Kindern gestresst, genervt, verärgert oder irgendwie sonst getriggert fühlen, so dürfen wir diese Momente nutzen, um in uns hinein zu sehen. Um zu erkennen, welche Wunde da in uns gerade getriggert wurde und welche Angst dahinter steckt.
Wir dürfen unsere Gefühle dabei natürlich immer liebevoll annehmen und daran arbeiten, unsere Emotionen nicht mehr an unseren Kindern auszulassen.

Tipps dazu, wie du deine inneren Wunden heilen kannst, findest du in meiner Podcastfolge Nummer 28.

Unsere Kinder sind vielleicht der Auslöser für unsere negativen Gefühle, sie sind allerdings niemals die Ursache!

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