Kinder bewerten negativ

Bewerten – Wie wir unseren Kindern das Schubladendenken beibringen

Wir sind dem Glauben verfallen, unseren Kindern mit Nachdruck beibringen zu müssen, was sie tun sollen um später einmal glückliche Erwachsene zu werden. Dabei sagen wir ihnen ständig was richtig ist und was falsch. Dass etwas sehr schön ist und das andere nicht so schön. Wir geben ihnen ständig Feedback im Sinne von Lob oder Tadel für ihr Verhalten. Als Eltern bewerten wir unsere Kinder am laufenden Band und bringen ihnen bei, wie sie verschiedene Situationen selbst bewerten sollen.
Dabei haben wir natürlich stets gute Absichten. Wir wollen, dass sie gesellschaftsfähig werden, von anderen akzeptiert, geliebt und anerkannt werden. Doch tun wir ihnen damit wirklich einen Gefallen?

 

Andere Menschen verurteilen

Wir Menschen sind sehr soziale Lebewesen und es ist längst bewiesen, dass es uns glücklich macht, von Menschen umgeben zu sein, die wir lieben und schätzen. In einer mitfühlenden und verständnisvollen sozialen Umgebung, wird man so geliebt und akzeptiert wie man ist. Das ist in einer Familie häufig der Fall. Egal welchen Beruf du ausübst, egal welche Interessen du verfolgst, egal für welchen Lebensweg du entscheidest, du wirst immer geliebt.

In unserer Gesellschaft ist das im Allgemeinen aber leider abhanden gekommen. Wir verurteilen uns gegenseitig ständig und unaufhörlich. Das fängt schon beim ersten Kennenlernen an. Wir beurteilen sehr stark das Aussehen des anderen und finden gleich Dinge, die uns nicht gefallen. Finden wir positive Aspekte an dem Gegenüber, schleicht sich sehr häufig ein Gefühl von Neid heimlich von hinten heran. Und dann geht es auch gleich los: Welchen Job hast du? Wie alt bist du? (Und wie alt siehst du im Vergleich aus und was hast du in deinem Alter schon erreicht?) Single oder verheiratet? Welches Auto fährst du und in welcher Gegend wohnst du? Wie viele Kinder hast du? Vegan oder Fleischessend? Öko oder Snob?

Das alles ist Small Talk, doch dient mehr dazu die gegenüberstehende Person in eine Schublade zu stecken. Wie die Person wirklich ist, ob sie für andere Menschen da ist, wenn man sie braucht oder welche Schwierigkeiten und Schicksäle diese Person zu meistern hat, das wissen wir dadurch nicht.

Schubladendenken hat natürlich auch einen Sinn, es hilft uns das Leben und unsere neuen Eindrücke einzuordnen. Allerdings müssen wir dabei sehr achtsam sein, denn häufig neigen wir dazu, Menschen mehr zu verurteilen als sie zu bestärken.

 

Situationen verurteilen

Abgesehen von anderen Menschen, verurteilen wir auch ständig jede Situation. Wie individuell diese Urteile sind, sieht man am besten am gängigsten Beispiel: Das Glas ist entweder halb voll oder halb leer. Am Ende ist das Glas aber einfach bis zu Hälfte mit Wasser gefüllt. Es ist weder gut, noch schlecht, es ist einfach so wie es ist. Wir sind diejenigen, die aus einer Situation eine positive oder eine negative Situation machen.

Bei einem Glas mit Wasser mag das nicht so wichtig sein, doch im Grunde entscheiden diese individuellen Urteile über unser gesamtes Leben! Jede Situation im Leben hat positive und negative Aspekte, wir entscheiden immer in welche Richtung wir schauen. Und wir neigen dazu, immer in die selbe Richtung zu schauen. Dadurch werden wir entweder zu Optimisten oder zu Pessimisten.
Beurteilen wir Situationen eher streng und negativ, erzeugen wir dadurch negative Emotionen in unserem Körper. Diese machen uns unglücklich und auf Dauer sogar krank.

Zusammengefasst entscheiden diese Urteile wie glücklich wir mit unserem gesamten Leben sind!

 

Wie unsere Kinder lernen Situationen und Menschen zu beurteilen

Unsere Kinder lernen, in dem sie uns beobachten und uns zuhören. Und sie beobachten uns vielleicht nicht immer, aber sie hören uns immer zu (außer wenn wir es wollen, natürlich)! Das heißt, wenn wir mit unseren Freunden am Tisch sitzen, und über andere tratschen, bekommen unsere Kinder das auf jeden Fall mit, wenn sie in der Nähe sind. In den ersten sieben Lebensjahren, müssen sie uns nicht einmal aktiv dabei zuhören. Alles was sie aus ihrer Umgebung aufnehmen, geht ungefiltert in ihr Unbewusstsein rein. Sind wir dabei Menschen, die gerne andere Menschen verurteilen und über andere lästern, fangen unsere Kinder unbewusst an, Menschen aus einer ähnlichen Perspektive zu betrachten. Nicht zwangsläufig, aber tendenziell. Sie müssen sich ja nach uns richten, durch uns lernen sie, wie sie in der Welt zurechtkommen.

Genauso lernen sie durch uns Situationen zu beurteilen.
„Sitz nicht auf dem Tisch! Das macht man nicht, das ist nicht schön.“ Das Kind denkt sich: Wer ist man? Wieso darf ich nicht auf dem Tisch sitzen, nur weil irgendein man das nicht macht? Und wieso ist das nicht schön? Ich fühle mich sehr schön.
Natürlich darf ein Kind lernen, dass es in unserer Kultur gewisse gesellschaftliche Regeln und Formen gibt. Aber die Situation ist an sich erst mal so wie sie ist. Weder schön noch unschön.

Wir Eltern sollten uns mal dabei beobachten, wie häufig wir zu unseren Kindern am Tag sagen: „Das ist (nicht) schön.“ Oder „Das ist super / das geht gar nicht.“ Und so weiter.
Auch wenn wir Situationen häufiger positiv bewerten als negativ, bringen wir ihnen das bewerten bei, was sie (und uns) davon abhält, die Situation einfach so anzunehmen, wie sie ist. In ihrem derzeitigen Leben als Kind mag das meiste noch schön sein, doch auch auf jedes Kind warten Herausforderungen im Leben.

Dabei lenken wir unsere Aufmerksamkeit dann häufig auf das Beurteilen der Situation, anstatt auf die Lösung.

Bewerten wir eine Situation dann als negativ, neigen wir dazu uns als Opfer zu sehen und uns selbst zu bemitleiden. Sehen wir die Situation als das was sie ist, als Situation nämlich, können wir uns mehr darauf fokussieren, was wir mit ihr machen. So verschwenden wir keine Energie darauf uns über die Umstände zu ärgern. Denn diese sind nun mal so wie sie sind.

 

Wie können wir unseren Kindern gewünschtes Verhalten erklären ohne zu beurteilen?

Situationen und andere Menschen nicht zu beurteilen, bedeutet nicht, dass wir unsere Kinder einfach alles tun lassen. Wenn die Kinder noch sehr klein sind und noch nicht viel verstehen, ist es am besten, unerwünschtes Verhalten einfach abzulenken. Hat ein Kleinkind zum Beispiel etwas zerbrechliches in der Hand, kann man ihm etwas anderes anbieten, zum Beispiel ein Spielzeug. Damit lenkt man das Kleinkind dann ab, gibt ihm das Spielzeug und nimmt den zerbrechlichen Gegenstand vorsichtig aus der Hand. Bei Kindern, die uns schon gut verstehen, gilt es immer zu erklären.
In Bezug auf das oben genanntes Beispiel können wir unseren Kindern zum Beispiel sagen: Viele Menschen stört es, wenn jemand auf dem Tisch sitzt. Dabei kann sehr leicht etwas herunterfallen, deshalb sitzen wir alle immer auf unserem Stuhl.
Im Allgemeinen kann man einfach erklären, warum man etwas nicht so gut oder nicht so schön findet, ohne es zu bewerten.

Auch Lob und Tadel sind Bewertungen, die das Kind direkt bewerten. Deshalb sprechen sehr viele Pädagogen davon, dass zu viel Lob kontraproduktiv für das Kind sei. Wie immer gilt es, eine gute Mitte zu finden. Wir dürfen uns natürlich über die Erfolge unserer Kindes freuen. Es ist aber vielleicht übertrieben, bei jedem Schritt „super“, „sehr gut“ oder ähnliches zu sagen. Das Kind gewöhnt sich so daran ständig für jede noch so kleine Tat gelobt zu werden und sucht im Erwachsenenalter vermehrt nach Lob. Wo es dann keinen Lob bekommt, wird es eventuell eine Enttäuschung spüren.

 

Weniger zu bewerten wirkt befreiend

Meistens bemerken wir selbst gar nicht, wie wir selbst alles bewerten. Wenn wir mal einen Tag lang bewusst darauf achten, wie wir mit unseren Kindern sprechen, fällt uns erst auf, wie viel wir tatsächlich bewerten. Es gehört ein bisschen Training dazu, dies zu reduzieren. Jedoch bringt es automatisch Achtsamkeit mit sich. Achtsamkeit hilft uns im Allgemeinen sehr den Umgang zu unserem Kind mal „von außen“ zu betrachten. Wir sollten dabei nicht allzu streng zu uns selbst sein. Befreien wir uns allerdings davon jede Situation und andere Menschen im Leben zu bewerten, bringen wir automatisch mehr Entspannung, mehr Woosah in unseren Alltag! 

 

Danke, dass du diesen Artikel gelesen hast und Bewusstsein in dein Familienleben bringen möchtest.
Mit viel Liebe geschrieben,
Ksenija.


Auf meinem Podcast „Kundalini Eltern“ habe ich eine Folge erstellt, in dem ich detaillierter auf das Thema des Bewertens eingehe. Lade ihn dir hier gleich runter und verpasse keine Folge mehr. 🙂

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